Zum Inhalt springen

Umweltlabels in der Druckindustrie

Der Trend zu nachhaltigen Produktionen setzt sich immer mehr durch. Das gilt auch für gedruckte Produkte. Gibt man im Internet Begriffe wie grün drucken, umweltfreundlich drucken, ökologisch drucken, klimaneutral drucken oder nachhaltig drucken ein, tauchen viele Druckereien auf, die Entsprechendes anbieten.

Es gibt eine Reihe von Labeln, die sich in der Druckindustrie durchgesetzt haben. Einige beinhalten ein systematisches Umweltmanagement, wie EMAS, DIN ISO 14001:2015, DIN ISO 50001:2015 und DIN ISO 9001, andere beziehen sich auf einzelne Aspekte im Produktionsprozess und erlauben nach deren Verifizierung beispielsweise eine Produktauszeichnung, wie Blauer Engel RAL DE-UZ-195, EU-Ecolabel Richtlinie 028 für Druckerzeugnisse oder das Österreichische Umweltzeichen.

Im Folgenden werden die gängigen Siegel und Zertifikate der Druckbranche für eine nachhaltige Medienproduktion in alphabetischer Reihenfolge erklärt. Gezeigt wird dabei das große Ganze, denn erst der Mix aus offiziellen Umweltlabels und weiteren betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen führt zum Ziel: zu optimal nachhaltigen Produktionen.

Der Blaue Engel – ein umfassendes Umweltzertifikat für Produkte und Dienstleistungen

Dieses Siegel kennzeichnet im Allgemeinen besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen. Recyclingpapiere, die mit diesem Siegel ausgezeichnet sind, gibt es seit Ende der 1970er Jahre auf dem Markt. Jede Druckerei kann diese Papiere verarbeiten. Viele Unternehmen verweisen auf ihren Webseiten unter Nutzung des Logos Blauer Engel darauf, dass bei ihnen Druckprodukte unter Verwendung dieser zertifizierten Papiere hergestellt werden.

Diese Verwendung des Blauer-Engel-Labels führte in der Vergangenheit zu Verwirrungen, denn es suggeriert, dass die Druckprodukte unter nachhaltigen Bedingungen hergestellt wurden, obwohl oft nur zertifiziertes Papier verwendet worden ist.

Um solche Verwechslungen auszuschließen und eindeutig Klarheit zu schaffen, wurde im Jahr 2015 vom Umweltbundesamt ein Kriterienkatalog aufgesetzt, der es Druckereien und ihren Kunden ermöglicht, ein gesamtes Druckprodukt mit dem Blauen Engel auszuzeichnen und dies auch optisch zu kommunizieren.

Hierfür muss die Druckerei die Einhaltung einer Vielzahl an Kriterien gegenüber der Zertifizierungsstelle RAL gGmbH nachweisen:

  • Das Druckprodukt muss in seiner Gesamtheit überwiegend aus Papier oder Kartonage bestehen.
  • Bei den eingesetzten Papieren müssen Recyclingpapiere, die mit dem Blauen Engel RAL-UZ 14, RAL-UZ 56 oder RAL-UZ  72 ausgezeichnet sind, verwendet werden.
  • Nachwachsende Rohstoffe, z. B. in Farben, sollen nicht gentechnisch verändert sein.
  • Klebstoffe, Farben, usw. müssen unbedenklich gegenüber Umwelt und Gesundheit sein, d. h. sie müssen aromatenfrei sein und dürfen eine Reihe von gelisteten Stoffen nicht enthalten.
  • Es müssen emissionsarme Klebstoffe verwendet werden, die einen Score von über 50 nach INGEDE-Methode 12 besitzen.
  • Das Produkt muss nach INGEDE-Methode 11 deinkbar sein und einen Score von mindestens 70 erreichen.

Die Druckerei muss als Betrieb bestimmte Kriterien erfüllen, damit sie Druckprodukte mit dem Blauen Engel auszeichnen darf. Dazu reicht entweder der Nachweis über ein zertifiziertes Umweltschutz-Management-System wie EMAS oder ISO 14001, ein Energie-Managementsystem nach ISO 50001 oder alternativ eine Aufstellung aller energiebedingten Verbräuche und eine Umwelterklärung über den Produktionsablauf. Die VOC-Emissionen in der Druckerei müssen nachweislich begrenzt werden, z. B. durch den Nachweis des alkoholfreien Druckprozesses bzw. durch die Begrenzung der Alkoholbeimischung im Feuchtwasser auf unter 3 Prozent.

  • Die oben genannten Unbedenklichkeitserklärungen für benutzte Klebstoffe, Heftklammern, Druckhilfsmittel und Farben müssen durch die Lieferanten bestätigt werden.
  • Ebenfalls wird die Bereitstellung diverser Kennzahlen zur Überprüfung des Energieverbrauchs, des Papierabfalls und weiterer quantifizierter Umweltziele sowie der notwendigen technischen Anlagen gefordert.

Sind alle diese Kriterien der Vergabegrundlage erfüllt und durch das RAL bestätigt, erhält die Druckerei das Zertifikat Blauer Engel, das sowohl in der Unternehmenskommunikation als auch auf Druckprodukten verwendet werden darf, sofern ein Nutzungsvertrag des Kunden der Druckerei beim RAL eingetragen ist.

Zertifizierung: RAL gGmbH
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1–6 Monate
Revalidierung: Geltungsdauer bis zur Kündigung des Nutzungsvertrages
Weiterführende Informationen: www.umweltbundesamt.de/publikationen/der-blaue-engel-fuer-druckerzeugnisse | www.blauer-engel.de/de/produktwelt/papier-druck/druckereien-und-druckerzeugnisse

Cradle to Cradle – ein philosophischer Ansatz konsequenter Kreislaufwirtschaft

Cradle to Cradle (C2C) bedeutet sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“. Es ist ein Ansatz für eine konsequente Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, den Idealfall des Recyclings zu erreichen: Alle eingesetzten Rohstoffe bzw. Bauteile sollen am Ende des Lebenszyklus eines Produkts wieder vollständig und gleichwertig in den Produktionsprozess zurückgeführt werden können oder zumindest keine negativen Auswirkungen auf die ökologische Umwelt haben, wenn sie dorthin gelangen. Entwickelt wurde dieses Prinzip Ende der 1990er Jahre. „Cradle-to-Cradle-Produkte“ sollen demnach entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt oder als „technische Nährstoffe“ kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden. Eine „C2C-Zertifizierung“ (Cradle to Cradle Certified Product Standard) wird seit 2010 vom Non-Profit-Institut Cradle to Cradle Products Innovation Institute mit Sitz in San Francisco (USA) verliehen. Bewertet werden fünf Kriterien: Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Einsatz erneuerbarer Energien, verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser sowie soziale Gerechtigkeit.

Es werden fünf Zertifizierungsgrade vergeben: Basic, Bronze, Silber, Gold und Platin. Das vergebene Siegel muss alle zwei Jahre erneuert werden.

Zu beachten ist hier, dass das Prinzip der Zirkularität, wonach Produkte und Materialien so lange wie möglich zu verwenden sind, ohne dass sie ihren Wert verlieren, grundsätzlich bei vielen Produkten schwer oder so gut wie nicht umsetzbar ist. Auch die angestrebte Kompostierbarkeit von Druckprodukten (Farben, Drucklacke, Kaschierungen, Prägungen etc.) ist zwar möglich und wird bewertet, sollte aber wegen des Vorzugs von Recycling nicht angestrebt werden. Für das Recycling von Druckprodukten gibt es seit vielen Jahren vor allem in Deutschland sehr gut funktionierende Abläufe: Altpapiersammlung, Sortierung, Wiederaufbereitung, Deinking und anschließende Herstellung von Recyclingpapieren und neuen Druckprodukten.

Zertifizierung: akkreditierte C2C Berater/Gutachter
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 2–6 Monate
Revalidierung: alle 2 Jahre
Weiterführende Informationen: epea.com/ueber-uns/cradle-to-cradle

DIN EN ISO 14001:2015 – ein Prozess der Verbesserung für Umweltleistungen

Eine Reihe von DIN-ISO-Normen helfen einem Unternehmen, sein Management in unterschiedlichen Bereichen wie etwa Umweltschutz, Energieeffizienz und Produktqualität zu verbessern und zu sichern. Die internationale Norm DIN EN ISO 14001:2015 legt Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest. Sie beinhaltet zahlreiche weitere Normen zu verschiedenen Bereichen des Umweltmanagements, unter anderem zu Ökobilanzen und zu Umweltkennzahlen bzw. zur Umweltleistungsbewertung.

Sie kann sowohl auf produzierende als auch auf dienstleistende Unternehmen angewendet werden. Vorgeschrieben wird hier auch die ständige Aktualisierung des Umweltrechtsregisters sowie die innerbetriebliche Aktualisierung und Kommunikation der Umweltleistungen durch periodisch abzuhaltende innerbetriebliche Audits. Die zentralen Elemente der ISO 14001 sind:

  • Planung: Festlegung von Umweltzielen und entsprechenden Maßnahmen, Zuständigkeiten und Verfahrensweisen
  • Durchführung: Umsetzung der festgelegten Maßnahmen und Verfahrensweisen
  • Kontrolle: Überprüfung der Zuständigkeiten und Verfahrensweisen sowie der Maßnahmen im Hinblick auf die Umweltziele und die Umweltleitlinien („Umweltpolitik“) der Organisation
  • Verbesserung: Anpassung der Zuständigkeiten, Verfahren und Maßnahmen sowie ggf. auch der Umweltziele und Umweltleitlinien

Der Fokus dieses Systems liegt in der Praxis auf der Optimierung des Managements bezüglich Produktionsoptimierung und Abfallvermeidung, weniger auf zukunftsorientierten Entwicklungsmöglichkeiten.

Zu beachten ist, dass dieses Zertifikat ein Standortzertifikat ist. Es ist kein Umwelt-Gütesiegel für ein einzelnes Druckprodukt, sondern bestätigt den nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens.

Zertifizierung:unabhängige Gutachter/Berater
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Jahr
Revalidierung: Geltungsdauer 3 Jahre
Weiterführende Informationen: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/wirtschaft-umwelt/umwelt-energiemanagement/iso-14001-umweltmanagementsystemnorm | https://www.beuth.de/de/norm/din-en-iso-14001/236721041

DIN ISO 50001 – betriebliches Energiemanagement

Die ISO 50001 ist eine weltweit gültige Norm für den systematischen Aufbau eines Energiemanagements. Die Einführung eines Energiemanagementsystems ist grundsätzlich freiwillig; es gibt keine gesetzliche Zertifizierungspflicht.

Ein systematisches Energiemanagement beruht auf der Erfassung der Energieflüsse in einem Unternehmen (Energiequellen, Energieeinsatz, Energieverbraucher) und einer Bewertung der Energieeffizienz, insbesondere der für den gesamten Energieverbrauch bedeutsamen Anlagen und Einrichtungen sowie der Produktionsprozesse und sonstiger Tätigkeiten.

Entsprechende organisatorische und technische Maßnahmen sollen dazu führen, die energiebezogene Leistung systematisch und längerfristig zu verbessern.

Grundsätzlich ist die Einführung eines Energiemanagementsystems für die Minimierung der CO2-Emissionen als Synonym für den Energieverbrauch sinnvoll, trifft aber keine Aussagen über die Umweltschutzmaßnahmen eines Unternehmens.

Zertifizierung: unabhängige Berater/Gutachter, z. B. TÜV
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1–3 Tage
Revalidierung: alle 3 Jahre

EMAS – das anspruchsvolle Öko-Audit-System der Europäischen Union

EMAS ist weltweit das anspruchsvollste System für nachhaltiges Umweltmanagement. Es beinhaltet automatisch das Umweltmanagementsystem DIN EN ISO 14001:2015, denn inhaltlich geht es darüber hinaus. Organisationen jeder Art können mit dem EU-Label ausgezeichnet werden, wenn sie die strengen Anforderungen der europäischen EMAS-Verordnung erfüllen.

EMAS-Unternehmen verbessern kontinuierlich ihre Umweltleistung mithilfe eines standardisierten Managementsystems. Über ihre selbst gesteckten Umweltziele und deren Umsetzung berichten sie in der jährlichen EMAS-Umwelterklärung. In dieser Umwelterklärung werden alle innerbetrieblichen umwelttechnisch relevanten Kennzahlen der jeweiligen Produktionsabläufe dokumentiert und die erreichten und zukünftigen Umweltziele bewertet.

Da diese Erklärung öffentlich zugänglich sein muss und deren Überwachung gesetzlich geregelt und durch staatliche und nicht staatliche Stellen mehrfach abgesichert wird, schafft sie eine hohe Transparenz. Da ein Teil der EMAS-Anforderungen die Einhaltung aller Umweltvorschriften ist, bestätigt der Gutachter auch die Einhaltung dieser sogenannten Rechtskonformität (Legal Compliance).

Geprüfte und validierte Druckereien erhalten ein Zertifikat mit der Identifikationsnummer des Unternehmens. Das Zertifikat beinhaltet eine innerbetriebliche Revalidierung, die mittels der Umwelterklärung veröffentlicht und von externen Gutachtern überprüft wird. Das Zertifikat ist je nach Betriebsgröße ein oder zwei Jahre gültig. Nach Ablauf dieser Frist muss es erneut von externen Gutachtern validiert werden.

Zu beachten ist, dass dieses Zertifikat ein Standortzertifikat ist. Es ist kein Umwelt-Gütesiegel für ein einzelnes Druckprodukt, sondern bestätigt den nachhaltigen Charakter der Produktionsprozesse des zertifizierten Unternehmens. Aufgrund der geforderten Transparenz, die dieses Umweltsiegel schafft, ist davon auszugehen, dass die in zertifizierten Druckereien produzierten Druckprodukte sehr hohen Umweltstandards entsprechen.

Zertifizierung: unabhängige Gutachter/Berater
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Jahr
Revalidierung: Geltungsdauer je nach Betriebsgröße 1–2 Jahre
Weiterführende Informationen: www.emas.de | https://www.emas.de/fileadmin/user_upload/4-pub/Leitfaden-EMAS-Einstieg.pdf

EU-Ecolabel – die Richtlinie der Europäischen Union für Druckprodukte

Die EU-Richtlinie Nr. 028 „Druckerzeugnisse“ fordert bei Produktionsmaterialien wie Papier, Farbe und Druckhilfsmitteln hohe Standards. Auch betriebliche Handlungsfelder wie Abfallmanagement, Energieeffizienz und Mitarbeiterschulungen sind dabei von zentraler Bedeutung. Das Umweltzeichen mit Textfeld enthält folgenden Wortlaut: „Dieses Druckerzeugnis ist wiederverwertbar. Es wurde auf umweltfreundlichem Papier gedruckt. Die Menge der durch die Papierherstellung und das Bedrucken in Luft und Wasser abgegebenen Chemikalien ist begrenzt.“

Der Betrieb hat im Zuge einer Jahresmeldung entsprechende Nachweise vorzulegen: eine VOC-Bilanz, ein Abfallwirtschaftskonzept sowie Aufzeichnungen über Papier- und sonstige Abfälle. Die Jahresmeldungen werden von unabhängigen Gutachtern überprüft.

Sind alle erforderlichen Kriterien erfüllt und durch das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. (RAL) bestätigt, erhält die Druckerei das Zertifikat, das sowohl in der Unternehmenskommunikation als auch auf Druckprodukten präsentiert werden darf.

Zertifizierung: RAL gGmbH
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Monat
Revalidierung: zeitlich abhängig von den jeweiligen Vergabekriterien
Weiterführende Informationen: www.eu-ecolabel.de/produktgruppen-kriterien.html | www.ral-umwelt.de/eu-ecolabel | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32012D0481

FSC® – ein Label zur Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody) auf Holzbasis

FSC® (Forest Stewardship Council®) ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die das erste System zur Zertifizierung ökologischer Waldbewirtschaftung schuf. Gleichzeitig wird das Akronym FSC® auch als Gütesiegel benutzt, mit dem Holzprodukte gekennzeichnet werden, die aus FSC®-zertifizierten Wäldern stammen.

Papier aus FSC®-zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Logo und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind, für die Kennzeichnung eines Druckprodukts benutzt werden.

Für Papiere und damit auch für die Druckprodukte aus diesem Papier stehen drei verschiedene Siegel zur Verfügung:

FSC 100 %-Label steht für Produkte, die zu 100 Prozent Material aus FSC®-zertifizierten Wäldern enthalten. Der Text im Label lautet: „(Produkttyp) aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern“. Dieses Label kommt aus produktionstechnischen Gründen* der Holzaufbereitung in den Sägewerken bei Papier/Pappe/Karton und Holzwerkstoffen jedoch eher selten vor.

* Unter produktionstechnische Gründe fallen nach Aussagen des FSC Deutschland zum größten Teil die zeitlichen Abläufe der Holzaufbereitung in den Sägewerken, da diese oft keine ausreichenden Lagerkapazitäten für eine getrennte Lagerung von FSC-Holz und nicht zertifiziertem Holz haben. Die Stoffströme sind zwar sauber getrennt, aber FSC-Holz wird aufgrund der geringeren Menge schneller verarbeitet und die Sägen müssten daher früher abgeschaltet werden, als von den Sägewerken gewünscht. Daher verwendet FSC dieses Label selten für die genannten Papierprodukte.

FSC Mix-Label Hier werden bei der Produktion sowohl Materialien aus FSC®-zertifizierten Wäldern und/oder Recyclingmaterial als auch Material aus kontrollierten Quellen verwendet. FSC-zertifiziertes oder Post-Consumer-Recycling-Material wird dabei entweder zu mindestens 70 Prozent eingesetzt oder es wird eine mindestens äquivalente Menge im Produktionsprozess verwendet, um die gekennzeichneten Produkte herzustellen. Der Label-Text lautet: „(Produkttyp) aus verantwortungsvollen Quellen“.

FSC Recycled-Label steht für Produkte, die ausschließlich Recyclingmaterial beinhalten. Der Label-Text lautet: „(Produkttyp) aus Recyclingmaterial“.

Die Zertifizierung für Druckereien besteht in einer gründlichen Überprüfung des mengenmäßigen Einsatzes von FSC®-zertifizierten Papieren vor Ort. So wird im Zuge der Zertifizierung anhand von Lieferscheinen und Rechnungen kontrolliert, ob die Ein- und Verkaufsmengen von FSC®-deklariertem Papier übereinstimmen. Erst nach erfolgreicher Zertifizierung durch einen Gutachter darf das Logo auf die erzeugten Produkte, bei denen dieses Papier verwendet wurde, gedruckt werden.

Das mitgedruckte Label muss unbedingt die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei. Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere verarbeiten, eine Label-Kennzeichnung ist ihnen jedoch nicht erlaubt.

Zertifizierung: unabhängige Berater/Gutachter
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Tag
Revalidierung: jährlich
Weiterführende Informationen: https://www.fsc-deutschland.de/de-de

Gemeinwohl-Ökonomie – ein zertifiziertes ethisches Wirtschaftssystem

Gemeinwohl-Ökonomie bezeichnet ein Wirtschaftssystem, das auf gemeinwohlfördernden Werten wie Fairness, Nachhaltigkeit und Basisdemokratie aufbaut. Damit wird die Gemeinwohl-Ökonomie zu einem betrieblichen Mechanismus der Veränderung auf wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene:

  • Auf wirtschaftlicher Ebene beruhen der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung des Unternehmenserfolgs auf der Umsetzung bestimmter am Gemeinwohl orientierter ethischer Werte.
  • Auf politischer Ebene will die Gemeinwohl-Ökonomie rechtliche Veränderung bewirken, wie besondere Steuererleichterungen für Unternehmen, deren Wirtschaftsweise dem Gemeinwohl dient, oder eine bevorzugte Berücksichtigung zertifizierter Unternehmen bei staatlichen und behördlichen Ausschreibungsverfahren.
  • Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Gemeinwohl-Ökonomie eine Initiative zur Bewusstseinsbildung für einen Systemwandel, beruhend auf dem gemeinsamen, wertschätzenden, solidarischen Tun möglichst vieler Unternehmen: z. B. Bestandssicherung statt permanentem Wachstum, gemeinsames Handeln statt Konkurrenz.

Ein Unternehmen, das sich nach den Werten der Gemeinwohl-Ökonomie zertifizieren lässt, bilanziert seine Umweltleistung mittels eines geprüften Managementsystems. Es beschreibt zusätzlich demokratische wie auch menschenwürdige Strukturen im Betrieb und veröffentlicht das Verhältnis der Einkommensstruktur zwischen Eigentümern, Geschäftsführern, Angestellten und allen weiteren Mitarbeitern.

Durch ein Punktesystem werden innerbetriebliche Standards wie Menschenwürde, Solidarität, Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit, Transparenz, Mitentscheidung und Einkommensspreizung bewertet. Diese Bewertung erfolgt durch unabhängige Gutachter. Ab einer bestimmten erreichten Punktezahl erhält das Unternehmen ein Zertifikat. Die Zertifizierung ist auf zwei Jahre befristet und muss dann erneut validiert werden.

Im Unterschied zu ISO 14001/2015 und EMAS verlangt die Gemeinwohl-Ökonomie zusätzlich, dass nicht nur die Umweltleistungen der jeweiligen Lieferanten und Dienstleister des Unternehmens durch Selbstauskunft eingefordert werden, sondern ebenso entsprechende Nachweise zu den Werten Menschenwürde, Lohnstruktur, Solidarität, Transparenz und Mitentscheidung.

Ein Unternehmen der Gemeinwohl-Ökonomie wirtschaftet im besten Sinne nachhaltig, da es nicht nur Umweltleistungen standardisiert, sondern ebenso auf die Gemeinschaft orientiertes menschliches und unternehmerisches Handeln fördert.

Zertifizierung: unabhängige Gutachter/Berater
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung ca. 1 Jahr
Revalidierung: Geltungsdauer 2 Jahre

„Klimaneutral gedruckt“

Eine Druckerei, die klimaneutrale Produkte anbietet, kompensiert in der Regel die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung eines Druckprodukts entstehen. Unter Kompensation versteht man Beiträge zur Finanzierung von treibhausgasmindernden Investitionen (z. B. Windkraftanlagen in Entwicklungsländern).

Für die Emissionsberechnung gibt es Regelwerke und Normen, die bei der Kalkulation herangezogen werden. Beim Greenhouse-Gas-Protokoll wird der CO2-Fußabdruck des Unternehmens in drei sogenannten Scopes (Geltungsbereichen) ermittelt:

Scope-1-Emissionen stammen aus Emissionsquellen innerhalb des Unternehmens, etwa aus einem Blockheizkraftwerk, einer Öl- oder Gasheizung oder einer unternehmenseigenen Fahrzeugflotte.

Scope-2-Emissionen entstehen bei der Erzeugung von Energie (Strom und Wärme), die von außerhalb bezogen wird.

Scope-3-Emissionen sind sämtliche übrigen Emissionen, die durch die Unternehmenstätigkeit verursacht werden, aber nicht unter der Kontrolle des Unternehmens stehen, zum Beispiel bei Zulieferern, Dienstleistern oder Mitarbeitern.

Weitere wichtige Normen zur Bilanzierung von Treibhaugasen sind die allgemeinen Umweltmanagementnormen zur Ökobilanzierung DIN/ISO 14040 und 14044, die Norm für den CO2-Fußabdruck von Produkten DIN/ISO 14067 sowie die Norm zur Berechnung des CO2-Fußabdruckes von Druckerzeugnissen ISO 16759.

Anhand dieser Normen/Scopes wird von Gutachtern wie den Beratern der Klimainitiative der Druck- und Medienverbände, climate partner, natureOffice, myclimate oder Swiss Climate ein individuelles Emissionsprofil des Unternehmens und seiner Produktionsweisen ermittelt. Dieses dient der Berechnung der CO2-Emissionen und der Kosten für Kompensationszertifikate. Druckereien können entscheiden, ob sie Emissionen einzelner Druckprodukte kompensieren oder ob sie ihre gesamte jährliche Produktion, also ihr gesamtes Unternehmen, auswerten und ggf. klimaneutral stellen.

Der Ausgleich der CO2-Emissionen, die bei der Herstellung eines Druckproduktes inklusive des Papiers, eingesetzter Chemikalien und sonstiger Materialien sowie Energie und Logistik anfallen, erfolgt über den Ankauf von Zertifikaten für geprüfte Klimaschutzprojekte. Zur Ermittlung der Emissionsmenge und der Berechnung der Ausgleichskosten für das einzelne Druckprodukt wird den Druckereien ein sogenannter CO2-Rechner zur Verfügung gestellt, in dem als Basis die individuellen Umweltauswirkungen des Unternehmens nach Scope 1–3 hinterlegt sind.

Jedes Druckprodukt erhält zusammen mit dem Label eine unverwechselbare ID-Nummer und lässt sich so auch über Jahre hinaus zurückverfolgen.

Welche Maßnahmen zur CO2-Vermeidung im Unternehmen getroffen wurden, lässt sich anhand des Labels und der ID-Nummer auf Produkten nicht feststellen.

Eine Druckerei, die ihren CO2-Fußabdruck lediglich durch ein Zertifikat kompensiert, unterscheidet sich durch entsprechende Labels von einer Druckerei, die den Grundsatz

Vermeiden, Vermindern, Kompensieren

verantwortungsbewusst umsetzt. Denn eine wirklich nachhaltige Produktion zielt darauf ab, Emissionen zu minimieren oder komplett zu vermeiden: durch einen klimaneutralen Produktionsprozess, Wärmerückgewinnung, entsprechende Gebäudemaßnahmen, Photovoltaik, solare Wasseraufbereitung, Nutzung von Ökostrom und den Einsatz energiesparender Logistik. Diesen Ansatz und entsprechende Labels bietet vor allem die Klimainitiative der Druck- und Medienverbände. Die Mitglieder der Initiative führen eine Energieeffizienzberatung durch, in der Ursachen für vermeidbare Emissionen identifiziert und damit auch reduziert werden können. Umstellungen der Betriebsabläufe oder auch Investitionen in ressourcenschonende Technik führen häufig zu großen Einsparungen von Energie.

Zertifizierung: Berater/Gutachter der jeweiligen Anbieter
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1–2 Tage
Revalidierung: jährlich oder keine je nach Anbieter
Weiterführende Informationen: www.klima-druck.de | www.umweltbundesamt.de/publikationen/freiwillige-co2-kompensation-durch

Ökoprofit – ein Umweltberatungsprogramm für integrierte Umwelt-Technik

ÖKOPROFIT, das ÖKOlogische PROjekt Für Integrierte Umwelt-Technik, ist ein Beratungsprogramm, das in den 1990er Jahren an der TU Graz in Österreich entwickelt wurde und sich bald international verbreitet hat. Dahinter verbirgt sich ein Kooperationsprojekt zwischen Kommunen und der örtlichen Wirtschaft. Ziel ist eine Betriebskostensenkung unter gleichzeitiger Schonung der natürlichen Ressourcen. Produzierende Unternehmen, Dienstleister, Sozialeinrichtungen und Handwerksbetriebe können daran teilnehmen.

Wichtige Bausteine des Konzeptes sind gemeinsame Workshops der teilnehmenden Betriebe, in denen die Inhalte des Projekts durch externe Berater vermittelt werden. Nach einer einjährigen Projektdauer werden die Betriebe anhand eines Kriterienkatalogs geprüft und von der Kommune für ihre Umweltleistungen ausgezeichnet. Zu den wichtigen Kriterien gehören:

  • die Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes,
  • ein skizziertes betriebliches Umweltprogramm sowie
  • die Verwendung von Kennzahlen zur Umweltleistung.

Im Grunde kann dieses Ökoprofit-Basisprogramm den Unternehmen dazu dienen, sich auf die spätere Zertifizierung nach ISO 14001 vorzubereiten.

Anders als bei anderen Umweltmanagementansätzen, die in der Regel auf das Einzelunternehmen ausgerichtet sind, zielt Ökoprofit auf die Bildung eines lokalen kommunalen Netzwerks zum Umweltschutz ab. Nach einem Jahr im Basisprogramm treten viele Betriebe einer Art „Club“ bei, wo sie sich in regelmäßigen Workshops austauschen und über neue Entwicklungen im Umweltrecht und über relevante organisatorische und technische Neuheiten informiert werden.

Dieses Programm wird nicht deutschlandweit angeboten, da sich viele deutsche Kommunen nicht daran beteiligen. Verbreitet ist es vor allem in Österreich, Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hamburg.

Zertifizierung: unabhängige Gutachter
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Jahr
Revalidierung: zeitlich abhängig von den Workshops, meist nach 1 Jahr
Weiterführende Informationen: www.umweltpakt.bayern.de/management/fachwissen/210/oekoprofit-oekologisches-projekt-integrierte-umwelt-technik | www.oekoprofit-nrw.de/default.asp?Menue=29 | www.iwu-institut.net/%C3%B6koprofit | www.youtube.com/watch?v=Z9WTUkOMPSA

PEFC® – ein Label zur Identifizierung von Produktketten (Chain of Custody) auf Holzbasis

PEFC® (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein Zertifikat der europäischen Holzwirtschaft und dokumentiert einerseits die ökologische Waldbewirtschaftung durch die Forstwirte, andererseits garantiert das PEFC®-Siegel eine kontrollierte Verarbeitungskette (Chain of Custody). Papier aus PEFC®-zertifiziertem Holz trägt ebenfalls dieses Siegel und darf von Druckereien, die in der Chain of Custody zertifiziert sind, als solches angeboten und verarbeitet werden. Für die Zertifizierung werden Ein- und Verkaufsmengen überprüft.

Das mitgedruckte Label muss unbedingt die Zertifizierungsnummer des Unternehmens enthalten. Die Nutzung des Labels gibt keine Auskunft über weitere nachhaltige Maßnahmen einer Druckerei. Nicht zertifizierte Druckereien dürfen diese Papiere verarbeiten, eine Label-Kennzeichnung ist ihnen jedoch nicht erlaubt.

Zertifizierung: unabhängige Berater/Gutachter
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1 Tag
Revalidierung: jährlich
Weiterführende Informationen: https://pefc.de

ProzessStandard Offsetdruck (ISO 12647)

ProzessStandard Offsetdruck definiert Arbeitsabläufe und Schnittstellen für alle Produktionsschritte von der Datenerzeugung bis zum fertigen Druckprodukt. Die Festlegungen haben den Zweck, in einem arbeitsteilig organisierten Produktionsprozess ein definiertes Farbwiedergabe-Qualitätsziel auf möglichst wirtschaftliche Weise zu erreichen. Der ProzessStandard Offsetdruck wird im gleichnamigen, vom Bundesverband Druck und Medien e. V. (bvdm) herausgegebenen Handbuch beschrieben. Er basiert auf den Vorgaben nationaler und internationaler Normen, insbesondere der Normenreihe ISO 12647

Der ProzessStandard Offsetdruck legt eine Reihe von Standard-Druckbedingungen fest, unter denen jeweils ein spezifisches Druckergebnis erzielt wird. Für jede Standard-Druckbedingung sind das Druckverfahren, die Druckfarben, die Farbreihenfolge, die Papierkategorie und die Rasterung definiert. Das spezifische Druckergebnis wird durch Sollwerte für die Volltonfärbungen der Primärfarben Schwarz, Cyan, Magenta und Gelb und deren Druckkennlinien charakterisiert. Kennt man die Druckbedingung, können Druckdaten (u. a. mithilfe von ICC-Profilen) gezielt aufbereitet, die Farbwiedergabe des Auflagendrucks am Monitor oder auf einem Prüfdruck simuliert und Daten, Druckplatten usw. geprüft sowie im Hinblick auf das angestrebte Qualitätsziel korrigiert werden.

Zum Messen und Abmustern schreibt der ProzessStandard Offsetdruck bestimmte Mess- und Betrachtungsbedingungen vor. Werden diese Bedingungen eingehalten, lassen sich Zwischen- und Endprodukte jederzeit und überall unter nahezu identischen Voraussetzungen beurteilen. Messung und visuelle Bewertung führen dabei zu konsistenten Ergebnissen. Zur Prozesskontrolle dienen sogenannte Kontrollmittel (z. B. Kontrollstreifen, Medienkeil), die zusammen mit dem zu druckenden Sujet den jeweiligen Bearbeitungsprozess durchlaufen und die dort bewirkten Veränderungen erkennbar machen.

Der ProzessStandard Offsetdruck beschreibt somit ein Verfahren, um unabhängig von den handelnden Akteuren und deren subjektiven Einschätzungen und „ohne Versuch und Irrtum“ ein hochwertiges, in seiner Qualität vorhersehbares und jederzeit reproduzierbares Druckergebnis zu erreichen.

Das Label ist kein Umweltzertifikat im engeren Sinne. Es bescheinigt jedoch, dass das zertifizierte Unternehmen seine Produktionsprozesse sehr gut beherrscht und dadurch auch ressourcenschonend wirtschaftet. Material- und Energieverbrauch sinken, da die Arbeit nach den Vorgaben des ProzessStandard Offsetdruck ungeplante Produktionsunterbrechungen vermeidet, ebenso Fehlbebilderungen von Druckplatten, hohe Makulaturquoten oder Reklamationen, die zu Nachbesserungen oder Neudrucken führen.

Zertifizierung: unabhängige Berater/Gutachter, z. B. Druck- und Medienverbände/Fogra
Zeitlicher Aufwand: Erstzertifizierung 1–2 Tage
Revalidierung: alle 2 Jahre
Weiterführende Informationen: https://bvdm-online.de/pso | https://www.pso-insider.de

-->