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DIN- und ISO-Normung

Normungsarbeit: Sitzung der Arbeitsgruppe 2 „Prepress data exchange“ des ISO/TC 130 „Graphic technology“ im Juni 2017 in Toronto/Kanada. (Foto: Dieter Kleeberg)

Nationale und internationale Normen ermöglichen effiziente Druckprozesse. Manche Normen enthalten Regelungen, die unmittelbar die Druckprozesssteuerung betreffen, so etwa die Normenreihe ISO 12647. Darüber hinaus existiert eine Fülle von Normen, von denen Druck- und Mediendienstleister indirekt profitieren. Diese Normen legen beispielsweise Daten- oder Materialspezifikationen fest, die von der branchennahen Zulieferindustrie zu berücksichtigen sind. Eine wichtige Rolle spielen auch Normen zur Messtechnik. Sie sorgen dafür, dass das Einhalten von Standards überprüft und nachgewiesen werden kann.

Auf unserer Website finden Sie eine kommentierte Übersicht ausgewählter Normen und Technischer Spezifikationen für die Druckindustrie:

Weltweite Zusammenarbeit erfordert globale Standards

Angesichts weltweiter Verflechtungen der Wirtschaft erhalten internationale Normen zunehmend Vorrang vor nationalen Regelwerken. In der Internationalen Organisation für Normung (ISO) erarbeitet das Technische Komitee 130 „Drucktechnik“ (ISO/TC 130 „Graphic technology“) Normen für die Druckindustrie. Die Arbeit der deutschen Expertendelegation im ISO/TC 130 wird im nationalen Spiegelgremium beim Deutschen Institut für Normung (DIN) koordiniert: im Normenausschuss Druck- und Reproduktionstechnik (DIN-NDR). Der bvdm engagiert sich fachlich in diesen Gremien und fördert die Normungsarbeit finanziell.

Expertenwissen zählt

Beim Erarbeiten einiger Normen ist das ISO/TC 130 auf die Expertise anderer ISO-Gremien angewiesen, mit denen die Normen dann gemeinsam erarbeitet werden. Wichtige Partner sind z. B. die Technischen Komitees ISO/TC 42 „Fotografie“ oder ISO/TC 6 „Papier, Karton und Faserstoffe“. Oft gibt es auch eine Zusammenarbeit mit weiteren Standardisierungsinstitutionen, wie dem International Colour Consortium (ICC), der Internationalen Beleuchtungskommission (CIE) oder der Internationalen Elektrotechnikkommission (IEC)

Normung ist auch Interessenpolitik

Jede Norm wird in einem mehrstufigen Prozess formuliert, kommentiert, überarbeitet und zur Abstimmung gestellt. Die Normungsarbeit basiert dabei grundsätzlich auf dem Konsens der beteiligten Experten. In manchen Fällen ist es allerdings nicht einfach, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. 

Denn in einem Normungsgremium kann jeder mitarbeiten, den die dort erarbeiteten Normen betreffen („interessierte Kreise“). In ISO/TC 130 engagieren sich außer dem bvdm beispielsweise Experten aus der Zulieferindustrie (Maschinen, Material, Software), Vertreter von Hochschulen und Forschungsinstituten sowie Beratungsdienstleister. Neben den individuellen Rollenperspektiven der Beteiligten können in dem international besetzten Gremium auch regional unterschiedliche Sichtweisen zu Interessenkonflikten führen. Doch nur wenige Normungsprojekte scheitern an unüberbrückbaren Gegensätzen. Strittige Normungsvorhaben münden mitunter in eine Technische Spezifikation (Bezeichnung: ISO/TS) statt in einer ISO-Norm. Obwohl ein Teil des Gremiums die Inhalte nicht unterstützt, erhalten dadurch die übrigen Experten die Möglichkeit, ihre Spezifikationen unter dem Dach der ISO zu veröffentlichen.

Durch die Branche erarbeitet – von der Branche genutzt

Alle publizierten Normen und Spezifikationen werden in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und bei Bedarf aktualisiert, ergänzt oder zurückgezogen. In sämtlichen Phasen der Normentstehung setzt sich der bvdm dafür ein, dass die Druck- und Medienunternehmen von den erarbeiteten Regelwerken auch wirklich profitieren. 

Standards basieren auf dem Knowhow der beteiligten Experten. Branchen, in der viele Fachleute die Normungsarbeit vorantreiben, profitieren letztlich auch von guten Standards. Alle Druck- und Medienunternehmen sind deshalb eingeladen, sich am Normungsprozess zu beteiligen und Einfluss zu nehmen – sei es direkt in den Normungsgremien oder über ihren Verband.

Als Mitglied des Deutschen Institut für Normung (DIN) vertritt der bvdm die Interessen der deutschen Druckindustrie auch bei internationalen Normungsprojekten.

Welche rechtliche Verbindlichkeit haben Normen?

Druck- und Medienunternehmen, aber auch deren Kunden und Zulieferer fragen immer wieder danach, welche rechtliche Bedeutung die Normen für das Vertragsverhältnis besitzen. Gelten sie mit Abschluss eines Kaufvertrages als „stillschweigend“ vereinbart? Sind sie bei einem Rechtsstreit anwendbar, um beispielsweise Gewährleistungsansprüche zu klären? Hinweise zur Bedeutung von Normen im deutschen Recht gibt die Webseite des DIN.

Wo kann man Normen erwerben?

Normen sind beim Beuth Verlag als PDF-Dokument oder in gedruckter Form erhältlich. Internationale Normen und Spezifikationen liegen in englischer Sprache vor, manchmal auch in weiteren Sprachfassungen. Deutschsprachige ISO-Normen tragen die Bezeichnung DIN ISO und haben die gleiche Nummer wie die ursprüngliche englische Fassung. Allerdings werden ISO-Normen für die Druckindustrie selten ins Deutsche übersetzt. bvdm-Publikationen wie der ProzessStandard Offsetdruck oder der MedienStandard Druck geben einen Überblick über wichtige Normeninhalte und erleichtern die Anwendung.

Normenrecherche

Eine kommentierte Übersicht ausgewählter Normen und Technischer Spezifikationen für die Druckindustrie gibt es hier.

Auf der englischsprachigen Website der ISO lassen sich internationale Normen auch in verschiedenen systematischen Katalogen (ICS) recherchieren und bestellen. Zum Teil sind in diesen Katalogen thematisch verwandte Normen zusammengestellt, die in unterschiedlichen Technischen Komitees der ISO erarbeitet wurden, z. B. im TC 130 „Drucktechnik“ und im TC 6 „Papier, Karton und Faserstoffe“:

Es ist hier außerdem möglich, nach laufenden Normungsprojekten der ISO und deren aktuellen Status zu suchen sowie Informationen über zurückgezogene Normen zu erhalten.

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