Zum Inhalt springen

Berufsschulqualität ausbauen

Berufsschulen tragen wesentlich zu dem anerkannten hohen Niveau unseres dualen Bildungssystems bei. Die Mittel für Personal, Ausstattung und Räume werden aber oft gegenüber den Investitionen für die gymnasiale Oberstufe vernachlässigt. Branchen wie die Druck- und Medienwirtschaft, die für ihre Ausbildung umfangreiche Technikausstattungen in den Berufsschulen benötigen, werden dabei, abhängig von den unterschiedlichen Trägern, oft nicht ausreichend wahrgenommen.

Wir fordern deshalb neben den bundeseinheitlichen Lehrplänen auch verbindliche, bundeseinheitliche Bildungsstandards für den Unterricht sowie moderne Ausstattungen in Berufsschulen. Berufliche Bildungsinhalte zu vermitteln, erfordert branchenspezifisches Fachpersonal. Das Gewerbelehrerstudium bedarf dazu dringend einer Reform, die nach einheitlichen, branchenspezifischen Gesichtspunkten ausgerichtet ist.

Bewertung des Koalitionsvertrages 2018

Was für uns zählt: Eine verbindliche, bundeseinheitliche Berufsschulqualität sowie die branchenspezifische Ausbildung von Lehrpersonal.

Was wir begrüßen:

  • Geplant ist eine Ausstattungsoffensive für Berufsschulen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung und Industrie 4.0.
  • Es soll eine Qualifikationsoffensive Lehrerbildung mit Schwerpunkt Digitalisierung geben.

Was wir kritisch sehen:

  • Die Umsetzung der Austattungsoffensive kann erst mit Blick auf die Mittelverteilung auf verschiedene Schulstandorte der Druck- und Medienbranche bewertet werden.

Wahlprüfsteine 2017

Unsere Fragen:

1. Wie kann eine verbindliche, bundeseinheitliche Berufsschulqualität erreicht werden?

2. Wie wollen Sie angesichts der unterschiedlichen Länderkonzepte zur Qualifizierung von Lehrpersonal eine branchenspezifische Ausbildung von Lehrpersonal gewährleisten?

CDU/CSU

Gemeinsame Antwort auf die Fragen 1. u. 2.:

Für den schulischen Bereich wurde das Thema „Qualitäts­management“ in den Bundes­ländern weit oben auf der Agenda platziert. So wurden beispiels­weise im Rahmen von OES (Baden-Württemberg) oder QMBS (Bayern) entsprechende Qualitäts­konzepte für Berufs­schulen entwickelt, erprobt und implementiert. Darüber hinaus steht es den Bundes­ländern im Rahmen der KMK frei, sich auf verbindliche Bildungs­standards zu verständigen, wie dies bereits mit Blick auf die allgemein­bildenden Schulen geschehen ist.

Bei der Berufsschul­lehreraus- und -weiterbildung in spezifischen gewerblich-technischen Berufen könnten länder­über­greifende Ansätze hilfreich sein, um Qualifizierungs­bedarfe zu decken und Personal­mangel zu beheben. Daher wollen CDU und CSU im Rahmen der Qualitäts­offensive Lehrerbildung in einer weiteren Ausschreibungs­runde einen Schwerpunkt Lehrer­bildung für berufliche Schulen setzen und im Rahmen der Initiative Berufs­bildung 4.0 wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Qualifizierung und Weiter­bildung der Ausbilderinnen und Ausbilder sowie der Prüfer­innen und Prüfer legen.

SPD

Gemeinsame Antwort auf die Fragen 1. u. 2.:

Die Berufsschulen sind entscheidend für die Qualität der dualen Ausbildung. Hier lernen die Fachkräfte von morgen. Mit einem Berufsschulpakt wollen wir ihre Ausstattung modernisieren und dafür sorgen, dass genügend gute Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Ein solcher Pakt muss von Bund und Ländern gemeinsam getragen werden. Die Unternehmen und Ausbildungs­betriebe werden wir einbeziehen.

Ein Baustein für jeden zukunfts­weisenden Berufsschulpakt ist aus Sicht der SPD-Bundestags­fraktion ein Programm zur Digitalisierung, welches die technologische und bauliche Ausstattung der Berufsschulen fit für „Ausbildung 4.0“ machen wird. Dies ist notwendig, um die neuen IT-Anforderungen des Arbeits­marktes und der digitalen Produktion aufnehmen zu können. Für die bauliche Sanierung und Ersatz­neubauten stehen bereits Mittel im kommunalen Investitions­fond zur Verfügung.

Gemeinsam mit den Ländern und der Wirtschaft will die SPD-Bundestags­fraktion als zweiten Baustein eine Qualifizierungs­offensive Berufsschule umsetzen. Wir wollen die Ausbildung von Berufsschul­lehrern an den Hochschulen durch zusätzliche Lehrstühle und innovative Lehrkonzepte stärken und dafür eine Qualitäts­offensive Berufsschul­lehrerbildung auflegen. Im Rahmen dieses Bausteins werden die Länder die Persona­lausstattung an den Berufs­schulen verbessern und zusätzliche Anstrengungen unternehmen, ausscheidendes Personal zeitnah zu ersetzen.

Bündnis 90/Die Grünen

Zu Frage 1:

Seit 2015 haben wir uns im Bundestag für eine Investitions­initiative des Bundes für die Berufs­schulen eingesetzt. Mit je 500 Millionen € über fünf Jahre wollten wir einen Anstoß geben. Denn die Berufs­schulen müssen Zukunfts­aufgaben wie die Digitalisierung und die Integration leisten. Wer in Zukunft Fachkräfte braucht und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, der braucht starke Berufs­schulen. Leider haben weder Union noch SPD unser Ansinnen im Bundestag unterstützt.

Zu Frage 2:

Die Ausbildung des Lehrpersonals wollen wir bei den Ländern belassen. Allerdings haben wir uns anlässlich der Qualitäts­offensive Lehrerbildung für die bundesweite Mobilität und damit für eine Vergleichbarkeit der Qualifizierungs­anforderungen eingesetzt. Das sind wichtige Voraussetzungen, damit die Qualität der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern hoch bleibt.

Die Linke

Gemeinsame Antwort auf die Fragen 1. und 2.:

Bildung ist Ländersache – das betrifft auch die berufsschulische Bildung. Damit der im Grundgesetz verankerte Gedanke der gleichwertigen Lebensverhältnisse aber nicht auf der Strecke bleibt, brauchen wir (auch) für die berufsschulische Bildung einheitliche Standards. Mit einem Bildungsrahmengesetz wollen wir Standards der Lehr- und Lernbedingungen (Personal und Ausstattung) festlegen. Diese sollen bundesweit vergleichbar sein. Dabei soll die Vergleichbarkeit der Ansprüche an Bildungsarbeit im Vordergrund stehen. Zudem benötigen wir einen Berufsschulpakt, damit längst überfällige Investitionen für gute Qualität an beruflichen Schulen getätigt werden können.

FDP

Zu Frage 1:

Berufliche Bildung als Bestandteil lebenslangen Lernens ist eine Grundlage für erfolgreiche Lebens­biographien. Sie ist im Zusammenhang mit Fort- und Weiter­bildung neben der Erstausbildung bisher vernachlässigt worden.

An dieser Stelle sei auf die unter Punkt 11 genannten Initiativen verwiesen. Allgemein werden durch Exzellenz­initiative und Bildungs­sparen eine länder­unabhängige Finanzierung der Hochschulen, als auch eine hohe Durchlässigkeit des Systems gewährleistet.

Darüber hinaus brauchen die beruflichen Schulen mehr Selbstständigkeit beim flexiblen Einsatz von Lehrern und bei der Nutzung der Lehrerstunden­budgets. Das Angebot an Aus-, Fort- und Weiterbildung für Berufsschul­lehrer ist stark zu erweitern und den tatsächlichen Bedürfnissen anzupassen. Das Qualitäts­management-System in der beruflichen Bildung muss dabei auch die Personal­entwicklung erfassen.

Im Sinne einer besseren Durchlässigkeit sollten mehr Kooperationen mit Hochschulen, Fach­hochschulen und Berufsakademien bei Ausbildungs­gängen angestrebt werden. Duale Studien­angebote sowie Teilzeitstudien­gänge an Hoch- und Fachhochschulen tragen auch bei den Hochschulen zu einer stärkeren Lebensweltorientierung bei.

Zu Frage 2:

Wir Freie Demokraten fordern bessere Anreize, Auswahl und Ausbildung von Lehrern. Denn weltbeste Bildung braucht weltbeste Lehrer. Nur mit den richtigen Anreizen wählen engagierte und motivierte junge Menschen den Lehrerberuf. Das bedingt beste Rahmen­bedingungen und unsere Wertschätzung. Dazu gehört auch, bessere Lehrer besser zu bezahlen. In der Ausbildung setzen wir auf Fachlichkeit, Praxisnähe und eine Stärkung der Diagnose­fähigkeit. Durch eine frühe Praxisphase sollen Studierende rechtzeitig erkennen, ob der Beruf zu ihnen passt und was sie im Alltag vor der Klasse wirklich brauchen. Wir fordern eine bewertete Praxisphase mit Beratung über Perspektiven zum Berufswechsel, wenn erkennbar ist, dass jemand nicht für den Lehrberuf geeignet ist. In der Ausbildung sollen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer auf die fortschreitende Digitalisierung und Internationalisierung vorbereitet werden. Ferner wollen wir die Rahmen­bedingungen für einen Quereinstieg in den Lehrerberuf verbessern. Hierzu fordern wir berufsbegleitende Aufbau­studiengänge und Ressourcen zur Betreuung der Quereinsteiger in den Schulen durch erfahrene Lehrkräfte. Den Schulleitungen vor Ort wollen wir mehr Entscheidungs­freiheit über die Einstellung von Quereinsteigern geben. Eine regelmäßige Fortbildung für Lehrkräfte soll verpflichtend sein.