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Die Frage nach dem Wert des eigenen Betriebs beschäftigt Unternehmer spätestens dann, wenn das Unternehmen an einen Nachfolger übergeben oder verkauft werden soll. Viele haben lediglich eine vage Vorstellung vom Wert des Betriebs. Diese Vorstellungen weichen häufig von den tatsächlich erzielbaren Preisen ab. Um in Verhandlungen eine faire Basis für alle Parteien zu schaffen, sollte der Unternehmenswert möglichst objektiv und nach anerkannten Regeln ermittelt werden.
Aus diesem Grund bieten die Druck- und Medienverbände jetzt eine bundesweit einheitliche Unternehmensbewertung nach dem standardisierten Verfahren der Druckindustrie nach AWH (AWH-Standard) an. Dieses Bewertungsverfahren wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk (AWH) des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) speziell auf die Anforderungen von kleinen und mittelständischen Unternehmen zugeschnitten. „Wir waren auf der Suche nach einem Bewertungsverfahren, das die Situation vieler Druckereien möglichst gut widerspiegelt“, so Gerald Walther vom Verband Druck und Medien Hessen. Mit dem standardisierten Bewertungsverfahren nach AWH werden Druck- und Medienunternehmen mehrere Vorteile geboten:
Die Unternehmensbewertung beruht auf den zu erwartenden Betriebsergebnissen. Durch Projektion der bereinigten Vergangenheitsergebnisse in die Zukunft und durch die Kapitalisierung der zukünftig zu erzielenden Überschüsse wird der Ertragswert ermittelt. „In der Betriebswirtschaft und der Rechtsprechung wird der Unternehmenswert heutzutage fast ausschließlich durch den Ertragswert ermittelt“, erklärt Walther.
Das aus der Industrie stammende Ertragswertverfahren des Instituts der Wirtschaftsprüfer wurde modifiziert und an die Besonderheiten von kleinen und mittelständischen Unternehmen angepasst. Das Verfahren berücksichtigt beispielsweise die starke Beeinflussung der Ertragslage durch die Inhaberpersönlichkeit, die finanziellen Gestaltungsoptionen durch die Haftungsverflechtung von Privat- und Betriebsvermögen und ein begrenztes Budget für den Bewertungsaufwand.
Das bundesweit standardisierte Bewertungsverfahren wird ständig in seiner Funktion überprüft und neuen Anforderungen angepasst. Durch ein dazugehöriges Schulungskonzept sowie Arbeitshilfen wird eine einheitliche Anwendung sichergestellt und der Einfluss subjektiver Faktoren reduziert. Die Finanzbehörden erkennen den AWH-Standard zur Ermittlung des Ertragswerts beispielsweise für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer an.
Neben dem Wissen über die anzuwendenden Methoden verfügen die betriebswirtschaftlichen Berater der Druck- und Medienverbände über die notwendigen Branchenkenntnisse und können so die Besonderheiten von Druck- und Medienbetrieben berücksichtigen. Stefan Brunken vom Verband Druck und Medien Nord beurteilt die Vorteile so: „Mit Hilfe dieses Verfahrens wird für Druckereien ein realistischer Unternehmenswert ermittelt, der eine geeignete Verhandlungsgrundlage bietet.“
Auf Wunsch bieten die Verbände auch weiterhin Unternehmensbewertungen nach anderen Bewertungsverfahren an. (bvdm) |